Sorgerecht – was bedeutet das eigentlich?

Aus meiner Praxis weiß ich, dass der Begriff des Sorgerechts zwar allen (getrennt lebenden) Eltern geläufig ist, über Inhalt und Reichweite des Sorgerechts aber häufig irrige Vorstellungen bestehen. Oft wird zum Beispiel angenommen, der Elternteil, bei dem das Kind nach der Trennung leben soll, müsse sich das Sorgerecht erstreiten. Das ist aber falsch. Will ein Elternteil, dass das Kind nach der Trennung bei ihm lebt, bruacht er zwar das Aufenthaltsbestimmungsrecht, nicht aber das Sorgerecht. Der Unterschied liegt in Folgendem:

Das Aufenthaltsbestimmungsrecht stellt lediglich einen Teilbereich der elterlichen Sorge (§§ 1626 ff BGB), namentlich der Personensorge, dar. Grundsätzlich geht das Gesetz davon aus, dass beide Elternteile dieses Recht (wie auch das Sorgerecht insgesamt) gemeinsam ausüben. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht beinhaltet das Recht darüber zu bestimmen, wo das Kind sich für gewöhnlich aufhält, insbesondere bei wem es wohnt. Hat also einer der getrennt lebenden Elternteile das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht, so lebt das Kind bei ihm und der andere Teil hat nur ein Umgangsrecht.

Derjenige Elternteil, bei dem das Kind sich für gewöhnlich aufhält, hat das Recht, alleine über die “Angelegenheiten des täglichen Lebens” zu entscheiden (§ 1687 BGB). Haben die Kindeseltern nun bislang z.B. in Berlin oder Brandenburg gelebt, kann der aufenthaltsbestimmungsberechtigte Elternteil gleichwohl nicht mit dem Kind ins Ausland ziehen, weil es sich dabei eben nicht um eine Angelegenheit des täglichen Lebens handelt. Hierzu zählen vielmehr:

  • Schulalltag und Freundeskreis
  • Ernährung und Kleidung
  • Auswahl von sportlichen und spielerischen Aktivitäten
  • übliche medizinische Versorgung

Geht die Bedeutung einer das Kind betreffenden Entscheidung darüber hinaus, handelt es sich nicht mehr um Angelegenheiten des täglichen Lebens, so dass die elterliche Sorge als solche betroffen ist. Hierzu zählen insbesondere:

  • Umzug ins Ausland
  • Schulwahl und Schulwechsel
  • religiöse Orientierung
  • schwerere medizinische Eingriffe oder Therapien
  • größere Reisen

Sollen hier also Entscheidungen im Alleingang getroffen werden können, braucht der jeweilige Elternteil das alleinige Sorgerecht. Voraussetzung für die Übertragung des Sorgerechts auf einen Elternteil allein ist ebenso wie im Fall des Aufenthaltsbestimmungsrechts, dass dies dem Kindeswohl am besten entspricht. Die Anforderungen an die Übertragung des alleinigen Sorgerechts sind jedoch deutlich höher als bei der Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts.

Gerne berate ich Sie ausführlich zum Themenkreis Sorgerecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Umgangsrecht in meiner Kanzlei.



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