Nach der Trennung – wie oft darf ich mein Kind sehen?

Wenn gemeinsame Kinder da sind,und es zur Trennung kommt, stellt sich einerseits die Frage, bei wem das Kind seinen Lebensmittelpunkt hat, wer es also (überwiegend) betreut, und zum anderen, wie oft der andere Elternteil sein Kind sehen, also Umgang mit seinem Kind haben darf.

Grundsätzlich sollten die Eltern eine Regelung zum Umgang einvernehmlich herbeiführen. Diese Umgangsregelung kann dann entweder flexibel gehandhabt,oder ihr ein fester Rhythmus zugrundegelegt werden. Es kommt aber häufig vor, dass Eltern sich über den Umfang des Umgangsrechts nicht einigen können oder ein Elternteil dem anderen gar kein Recht auf Umgang oder nur begleiteten Umgang zugestehen will.  In diesen Fällen ist ggf.mit Hilfe des Familiengerichts eine Umgangsregelung herbeizuführen.

Typischerweise sieht eine gerichtliche Umgangsregeglung so aus, dass der Umgangsberechtigte das Kind jedes zweite Wochenende sowie einen nachmittag pro Woche zu sich nehmen darf. Darüber hinaus werden, soweit es sich um schulpflichtige Kinder handelt, häufig auch die Schulferien geteilt. Schließlich wird meist noch eine Regelung bezüglich der Feiertage und der Geburtstage aufgenommen.

Eine solche Regelung zum Umgang ist zwar häufig, aber nicht zwingend. Das Umgangsrecht kann auch großzügiger ausfallen oder gegen Null tendieren.

Was passiert, wenn das Kind manipuliert wird?

Das Familiengericht muss sich bei seiner Entscheidung bezüglich des Umgangsrechts am Kindeswohl orientieren, und damit auch am Willen des Kindes, soweit dieses seinen Willen schon äußern kann. Nun kommt es nicht selten vor, dass beim Umgangsberechtigten der Eindruck entsteht, dass der vom Kind kundgetane Wille gar nicht der wahre Kindeswille ist, sondern vielmehr der Wille des betreuenden Elternteils, der das Kind in seinem Sinne manipuliert hat. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Kind Formulierungen des betreuenden Elternteils wortwörtlich übernimmt oder seinen Willen in einer wenig kindgerechten Sprache formuliert. Auch wenn nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsrgerichts aus dem Jahr 2015 (BVerfG vom 25.4.2015 -1 BvR3326/14) grundsätzlich auch der beeinflusste Kindeswille beachtlich ist, muss das Familiengericht in diesen Fällen darüber aufgeklärt werden, wie die Willensbildung beim Kind zustande gekommen ist, damit es hier nicht zu Fehlentscheidungen kommt.

 



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